Wie Versicherungsagenturen Chancen aus der Corona-Krise nutzen können

Es ist die Chance, die Versicherungsagenturen mit der Krise gegeben ist, unser tägliches Arbeiten zu hinterfragen, Bewährtes beizubehalten und Neuem eine Chance zu geben.  Durch den Wegfall von Beratungsterminen sollte die Zeit der Krise genutzt werden, sich einigen Tätigkeitsfeldern zuzuwenden, denen man bisher aus Mangel an Zeit zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt hat.

Wir als Versicherungen sind seit längerem technisch in der Lage, nahezu vollständig digital zu agieren, haben jedoch noch nie so sehr die Notwendigkeit darin gesehen wie jetzt. Man muss vielleicht die Umgangsroutine mit sozialen Medien der Generation Y (nach 1980 geborenen) mitbringen, um einzusehen, dass digital keineswegs unpersönlich bedeutet und dass die Sensibilität bei der Nutzung digitaler Kommunikationswege vor allem beim Thema Datenschutz geboten ist. Doch auch derjenige, für den Social Media und digitale Beratungstools Neuland sind, kann in den nächsten Wochen einige wichtige Schritte in Richtung Zukunft gehen.  Darum möchte ich Euch nun ein paar sofort umsetzbare Tipps für die nächsten Wochen geben, mit denen Ihr die Weichen für einen digitalen Geschäftszweig stellen könnt.

  • Online-Beratung erproben und datenschutzrechtliche Erfordernisse klären

Es gibt sie längst, die Unterschiede zwischen jenen die ihre Kunden schon erfolgreich online beraten, denen die es auf Kosten der Kunden (ohne Beachtung des Datenschutzes) tun und jenen, die es sich bisher einfach nicht getraut haben. Dabei kann man die Frage, wie man mit „Auswärtigen Kunden“ (Wohnsitz weiter als 100 km entfernt) Beratungen durchführt, nicht besser beantworten. Und auch unter den übrigen Kunden dürfte der ein oder andere sein, der gerne zwanglos und vom Sofa aus mit seinem Berater die Updates der Wohngebäudeversicherung bespricht. Als Tool für eine DSGVO-konforme Onlineberatung ist beispielsweise Flexperto für 39 € monatlich zu nennen.

  • Datenpflege

Längst ist es mehr als nur eine Floskel, dass Daten das neue Gold sind. Amazon, Google und Co. machen es der Assekuranz schließlich vor. Doch was eigentlich genau? Dass sie besser wissen, was welcher Kunde sich zu welcher Zeit wünscht als die anderen. Und wir so? Wenn unsere Datenpflege noch daraus besteht lediglich, Telefonnummern, Emailadressen und demographische Angaben zu sammeln und abzulegen, sollten wir uns nun einmal den Fragen widmen, die uns unsere Kunden wirklich bekannt machen. Welche Interessen hat er? Wie kommuniziert er? Worauf kommt es ihm in der Zusammenarbeit mit uns an.

  • Kundenklassifizierung

Umso mehr „qualitative Informationen“ wir über unsere Kunden haben, desto besser können wir sie auch bedienen. Wir wissen dann, wer unser Kunde ist, weil er unsere ganzheitliche Beratung schätzt und wer hingegen nur bei uns gelandet ist, weil wir mit einem Produkt günstiger waren als die Konkurrenz. Wir lernen daraus, wie intensiv wir nun Kontakt zu welchen Kunden aufnehmen sollten, um jeden Kunden entsprechend seiner Wünsche zu beraten und für ihn mehr zu sein als eine graue Police im Briefkasten.

  • Social Media: Planung & Positionierung

Da heute praktisch nicht existiert, wer nicht auch in sozialen Medien aktiv ist, lohnt es sich anstelle von „wildem Posten“ auf mehreren Kanälen zunächst an einer Strategie zu arbeiten. Denkt dabei an Eure (potenziellen) Kunden und stellt euch die folgenden Fragen: Was wollen wir erreichen? Warum tun wir, was wir tun. Wessen Probleme lösen wir auf welche Art und Weise und wer sind letztlich genau die Personen, die das interessiert. Erstellt Steckbriefe über eure Zielgruppe und beginnt interessanter für eine bestimmte Personengruppe zu werden, anstatt langweilig für eine breite Masse zu sein.

Ihr werdet merken, dass dies zunächst auch ohne Erfahrungen mit sozialen Medien funktioniert. (Vorlagen findet Ihr z. B. auf socialmedia-talk.com)

  • Social Media: Kanäle und ihre Inhalte

Hier wird es nun praktisch:

Nachdem Ihr die erste Planung vorgenommen habt, solltet Ihr anhand von Social Media-Statistiken wie auf hootsuite.com feststellen, auf welchem Kanal eure Zielgruppe aktiv ist und was das für die Gestaltung eurer Inhalte bedeutet.

Nachdem Ihr Punkt 4 und 5 meiner Tipps durchgeführt haben, werdet Ihr endgültig wissen, ob Ihr die Personalressourcen habt, Social Media-Marketing selbst zu betreiben oder ob Ihr es in Hände Dritter (z. B. Freelancer, Agenturen) geben solltet.

  • Mehr als die Versicherung im klassischen Sinn sein

In dieser Zeit des Ausnahmezustandes wird natürlich auch der eine oder andere Kunde mit Ihnen Kontakt aufnehmen, weil er aufgrund der Berichte in den Medien besorgt über den Verlauf seiner Lebensversicherungen ist oder Angst hat seine Versicherungsprämien aufgrund von Kurzarbeit nicht mehr bezahlen zu können. Die Angst ist dieser Tage wahrscheinlich so hoch wie nie! Nehmt euch Zeit für mehr als die Beantwortung seiner Fragen, sprecht mit ihm auch über andere Ängste im Zusammenhang mit der Krise. Zeigt Mitgefühl für Notlagen und signalisiert Hilfsbereitschaft soweit es möglich ist. Wenn zum Bespiel lokale Geschäftsinhaber unter euren Kunden sind, die vielleicht sogar ihren Betrieb vollständig einstellen müssen, kauft Gutscheine oder nutzt, wenn vorhanden, euer regionales Netzwerk um dafür zu sorgen, dass die Gemeinschaft denjenigen hilft, die diese Krise am heftigsten trifft. Eine Versicherung zu sein heißt schließlich auch, Menschen ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln!

  • Ist euch etwas aufgefallen?

All diese Tipps lassen sich aus dem Homeoffice umsetzen, wenn die Aufgaben unter den Kollegen aufgeteilt sind.  Manch ein Mitarbeiter genießt es auch, von zuhause aus an der Seite seiner Familie zu arbeiten. Seid also auch generell offener für Heimarbeit, sofern eure Mitarbeiter Wert darauflegen und es die Personalkapazitäten erlauben. Es kann ein Beitrag zur allgemeinen Zufriedenheit sein und zufriedene Mitarbeiter sollten (nicht nur) in Zeiten der Krise das höchste Gut eures Unternehmens sein.

Autor Nadja Smeilus

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